Tausch des Grafikchips bei einem LG S900 haucht dem riesigen 19 Zoll Display wieder Leben ein.

05.08.2013 – Ganz schön groß, aber ohne Bild nicht zu gebrauchen. Das 19-Zoll-Notebook S900 von LG ist ein wahrer Riese unter den Notebooks. Kürzlich erhielten wir ein S900 bei dem kein einziges der vielen Pixel des großen Monitors auch nur flackerte, das Display blieb dunkel. Dass in solchen Fällen (Schaden an Grafikkarte) oft der Totalschaden droht liegt an der Tatsache, dass Original-LG-Grafikkarten dieses Typs schon lange nicht mehr vom Hersteller oder im Handel erhältlich sind (End-of-Life) und die als baugleich angepriesenen Fremdkarten einfach nicht funktionieren. Zwar ist der MMX-Steckplatz genormt, aber die Hersteller haben hinsichtlich des auf der Platine befindlichen BIOS nahezu immer proprietäre Lösungen, so dass die Karten eben doch nicht universell einsetzbar sind. So war es auch hier, eine Ersatz-Grafikkarte versagte ihren Dienst, erst der Tausch des Grafikchips brachte den gewünschten Erfolg.

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Oben links: Die Grafikkarte nach dem entlöten des alten Chips.
Oben rechts: Die fein gesäuberte Platine ist schon mit Flussmittel bestrichen.
Unten links: Am Beginn des Lötvorgangs ist das Bauteil noch auf Abstand. Erst wenn die Zieltemperatur erreicht ist, sinkt das Bauteil durch die Verflüssigung der Lotkugeln langsam auf die Platine.
Unten rechts: Der neue Grafikchip ist komplett aufgelötet.

Betroffene(s) Modell(e):
LG S 900 19“ Desktop Replacement

Fehlerbild:
Keine Anzeige auf dem Monitor. Das Notebook bootet jedoch und es findet hörbar ein Festplattenzugriff statt.

Diagnose:
Als Fehlerquelle wurde die Grafikkarte erkannt. Vorteilhaft beim LG S 900 ist, dass die Karte als gesteckte Extra-Platine mit dem Mainboard verbunden ist.

Reparatur:
Die Option Ersatz-Karte war hier einen ersten Versuch wert, denn wir hatten eine als baugleich angepriesene Karte am Lager und wenn es klappt, wäre das die kostengünstigste Reparatur-Variante. Gesagt, getan, die Ersatzkarte wurde eingesetzt. Das Ergebnis war jedoch nüchtern – oder besser gesagt, es war kein Ergebnis vorhanden. Der Monitor blieb dunkel und die auf Erfahrung begründete Voraussage hatte sich leider bestätigt. Aus BIOS Kompatibilitätsgründen wurde diese Karte vom LG nicht akzeptiert.

O.K. dann halt auf die harte (aber interessantere) Tour. Wir hatten ja noch einzelne Grafikchips auf Lager. Diese Herausforderung war ganz nach dem Geschmack unserer Servicetechniker, hier konnte man zeigen was man wirklich drauf hat.
Das entlöten und wiedereinsetzen des Chips erfordert, verglichen mit herkömmlichen Bauformen, großes Geschick und gutes Werkzeug in Form einer Profi-Lötstation, da der Chip als Ball Grid Array (BGA, engl.) ausgeführt ist, einer Gehäuseform von Integrierten Schaltungen, bei der die Anschlüsse für SMD-Bestückung kompakt auf der Unterseite des Bauelements liegen.

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Links: Schön zu sehen wie genau die BGA Rework-Station die Temperaturkennlinie durchfährt, nach dem erreichen der notwendigen Zieltemperatur abschaltet und dann das Bauteil langsam wieder abkühlt.
Rechts: Die Reparatur war von Erfolg gekrönt. Das Display ist wieder in Funktion.

Die Anschlüsse sind kleine Lotperlen, diese werden beim Reflow-Löten aufgeschmolzen und verbinden sich mit den Kontaktpads auf der Leiterplatte. So kann eine sehr große Zahl von Anschlüssen auf einem Bauteil untergebracht werden.
Zunächst wurde der bisherige Chip entlötet und die Platine dann komplett von Verunreinigungen und altem Lötzinn gesäubert. Danach wurde das Flussmittel aufgetragen.
Nun musste der Chip auf der Platine präzise positioniert werden. Mit der Einstellung der richtigen Temperaturkennlinie auf der BGA Rework Station beginnt  dann das Auflöten des neuen Bauteiles. Die Rework Station durchfährt automatisch die notwenige Temperatur-Linie bis zum erreichen des Zielkorridors, das Bauteil sinkt langsam auf die Platine, was ordentliche und elektrisch einwandfreie Verbindungen garantiert.

Ergebnis:
Wie vermutet lag das Problem beim Grafik-Chip, nach dem Zusammenbau funktionierte das riesige Display wieder einwandfrei.

Empfehlung, Besonderheiten, Tipps & Tricks:
Das sogenannte „reballen“ des alten Chips wäre in diesem Fall auch eine Option gewesen, da erfahrungsgemäß der Grafik-Chip an sich noch O.K. ist und nur eine oder mehrere der Lötverbindungen nicht mehr in Funktion sind. Zeitlich wäre das jedoch ein größerer Aufwand und kommt deshalb nur in Betracht, wenn kein neuer Grafikchip verfügbar ist.
Von den Kosten her macht das übrigens keinen Unterschied, denn die Reparatur von Grafikchips ist pauschaliert und liegt bei 299,00 €.

Der hier betroffene Grafikchip war der NVIDIA GForce 8600 GS. Wir haben davon übrigens noch eine ganze Menge, nämlich jetzt (Stand 05.08.2013) noch 427 Stück auf Lager.
Da können also noch einige Notebooks die diesen Chip verwenden „wiederbelebt“ werden.

Weitere Ersatzteile für das LG S900 :
http://www.ipc-computer.de/notebook-ersatzteile/lg/s900

 

ReparaturSchwierigkeitsgradSchwierigkeitsgrad: Aufwändig – Komplette Demontage da Grafikkarte schwer zugänglich, Lötarbeiten auf Maschine, Zusammenbauen, Prüfroutine.
Reparatur Dauer: ca. 120 Min.