Warum sind Notebook-Displaykabel unterschiedlicher Laptops nicht zueinander kompatibel, selbst wenn typgleiche Displays verwendet werden?

Kürzlich hatten wir ein Notebook mit defektem Displaykabel zur Reparatur in unserer Servicewerkstatt. Das Displaykabel war leider nicht am Lager und musste deshalb bestellt werden.
„Können Sie nicht ein ähnliches Kabel eines anderen Herstellers verwenden?“ lautete die Frage unseres Kunden, der sein Notebook möglichst schnell wieder zurück haben wollte.

Weil wir genau diese Frage sehr oft gestellt bekommen und weil die Antwort leider immer „Nein“ lautet, haben wir Ihn die entscheidenden Unterschiede hinsichtlich den Displaykabeln von LED-Displays moderner Notebooks zusammengestellt. Ältere CCFL Displays sind kaum noch im Einsatz und werden deshalb in diesem Artikel nicht betrachtet.

Sie vielfältig und individuell wie jedes Notebook selbst sind auch die jeweiligen Displaykabel. Immer untzerschiedlich in Länge, Steckerformen, Kabelausführungen und vielen weiteren besonderheiten.

Sie vielfältig und individuell wie jedes Notebook selbst sind auch die jeweiligen Displaykabel. Immer unterschiedlich in Länge, Steckerformen, Kabelausführungen und vielen weiteren Besonderheiten.

Zunächst: Die Frage unseres Kunden ist durchaus zu verstehen. Die heutzutage bei fast allen Notebook-Herstellern verwendeten LED-Displayeinheiten werden von nur wenigen Produzenten weltweit hergestellt. Die bedeutendsten sind hier AU Optronics, LG Philips, Samsung, Innolux und BOE. Bei Typgleichheit lassen sich Displays dieser Hersteller im Prinzip sogar untereinander tauschen, d.h. sie sind kompatibel. Beispiel: Ist in einem Notebook ein AU-Display eingebaut, lässt sich dieses z. B. auch gegen ein typgleiches Samsung Display austauschen.
Das gilt jedoch nur für die Displays und eben nicht für die Displaykabel. Diese stellen die Verbindung zum Mainboard des jeweiligen Notebook-Modells her und sind ganz individuell auf das Notebook abgestimmt.

Die Anschlüsse am Display selbst sind dabei durchaus noch oft identisch. Es handelt sich entweder um 30-pin oder 40-pin Anschlüsse, Ausnahmen davon existieren nur in wenigen Display-Sonderbauformen. Allerdings gibt es hier schon unterschiedliche Displayansteuerungen. Während ältere LED-Displays noch über LVDS-Signal ( Low Voltage Differential Signalling) angesteuert werden, besitzen modernere Notebook-Displays den sogenannten EDP (Embedded Display Port). Notebooks mit EDP haben standardmäßig einen 30-pin Anschluss. Wenn die Displays höhere Auflösung wie Full HD (3K, 4K, oft auch als UHD, QFHD bezeichnet) besitzen, dann werden 40-pin Anschlüsse eingesetzt.
Per LVDS angesteuerte Notebook-Displayeinheiten hatten solche hohen Auflösungen noch gar nicht, besaßen jedoch trotzdem 40-pin Anschlüsse.

So weit, so gut, jetzt aber zur Frage wieso die Display-Kabel der verschiedenen Notebooks nicht Notebookhersteller-übergreifend kompatibel sind. Da gibt es einige Unterschiede, die wir Ihnen nachfolgend in Aufzählungsform vorstellen:

Länge der Displaykabel:
Alle Notebook-Modelle sind individuell konstruiert, das heißt die Stecker für die Displaykabel befinden sich an unterschiedlichen Positionen der Mainboards.

Kabelführungen:
Die Lösung der Kabelführungen durch das Scharnier bzw. die Scharnierkonstruktion am Notebook sind ebenfalls Eigenheiten der Notebook-Konstrukteure. Wird das Kabel durch das rechte oder linke Scharnier geführt? Und wie ist dann der weitere Verlauf? Hier gibt es die abenteuerlichsten Kombinationen und Ausführungen. Und das jeweilige Displaykabel ist in Form und Ausführung eben ganz genau darauf abgestimmt.

Größe und Form der Steckverbinder auf dem Mainboard:
Die verwendeten Steckverbinder sind von Hersteller zu Hersteller und von Notebook-Modell zu Notebook-Modell verschieden. Oft hängt die Auswahl des Steckverbinders schlicht und einfach von der Platzverfügbarkeit auf dem Mainboard ab. Das Schaltungs-Design der Mainboard-Platine setzt hier die für die Konstruktion und Bestückung maßgeblichen Eckpunkte.

Transport weiterer Signale:
Wer sagt denn das ein Kabelstrang zwischen Displayeinheit und Notebook-Mainboard nur die originären Display-Signale transportieren darf? Niemand! Und deshalb integrieren Notebook-Konstrukteure in diese Kabelverbindungen oft auch Leitungen für den Betrieb von Webcams oder Mikrofonen die mit in der Displayeinheit enthalten sind. Am Mainboard sind alle diese Leitungen auf einem Steckverbinder zusammengeführt, im Display trennt sich der Kabelstrang dann wieder auf.

Belegung der Steckverbinder:
Die PIN-Belegung der Steckverbinder am Mainboard ist ebenfalls nicht genormt. Auch hier ergibt das optimale Platinen- bzw. Schaltungslayout die bestmögliche Belegung vor. Nur ein Hinweis: Eine Platine sollte z. B. so wenig wie mögliche Durchkontaktierungen von Leiterbahnen enthalten usw. Das bedeutet aber, dass die Optimierung der Leiterbahnenführung des Mainboards die Pin-Belegung des Display-Steckers jedesmal von neuem durcheinanderwürfelt.

Diese Aufzählung macht deutlich: Ein Displaykabel ist eben immer maßgeschneidert auf das jeweilige Notebookmodell abgestimmt. Und dadurch sind Displaykabel auch nicht zwischen unterschiedlichen Notebook-Modellen oder Notebook-Herstellern kompatibel, selbst wenn Typgleichheit der Displays gegeben ist. Da müssten schon viele glückliche Zufälle zusammen treffen.

Und weil das so ist, findet man im IPC Shop das jeweils passende Displaykabel stets direkt über das betreffende Notebook-Modell.

Beispiel:
Bei den Ersatzteilen des Asus G60VX-2C findet sich unter den „Sonstigen Ersatzteilen“ das genau passende Displaykabel P/N: 14G100314410

Eine komplette Liste aller im IPC Shop verfügbaren Displaykabel finden Sie hier:
https://www.ipc-computer.de/notebook-ersatzteile/displaykabel